Jodie Whittaker ist Doctor Who.

Steven Moffat hat in seiner Zeit als Doctor Who-Showrunner viel geleistet, teilweise Dinge, die nicht allen Zuschauern ganz zugesagt haben. Er hat der Serie seinen Stempel aufgedrückt, sie vielleicht für immer verändert. Doch wer hätte ahnen können, dass sein größter Coup etwas sein würde, dass erst nach seinem Abgang zum Tragen kommt? Jodie Whittaker ist der neue Doctor. Sie ist eine fantastische Schauspielerin, hat einen tollen Lebenslauf und jede Menge Potential. Aber es ist schwer vorstellbar, dass sie ohne Steven Moffats Ära in die Position gekommen wäre, den Doctor zu spielen.

Mit der Besetzung des Doctors mit einer Frau ist zum ersten Mal eine Idee umgesetzt worden, die fast so alt ist wie die Idee der Regeneration selbst. Schon Tom Baker sprach bei seinem Abschied von „ihm oder ihr“ und meinte damit seinen Nachfolger und auch in den Jahren danach wurde das Thema immer wieder angesprochen. Nur in die Tat umgesetzt wurde es nie. Der Zeitpunkt war nie der Richtige. Und die Skepsis zu groß, ob die Show eine solch drastische Änderung überleben wurde – ungeachtet der Tatsache, dass sie bereits Schlimmeres überstanden hatte, darunter zwei Jahre ohne die TARDIS, eine 26-jährige Abwesenheitszeit und – wohl am allerheftigsten – dieses eine Mal im Jahr 1966, als der Hauptdarsteller auf einmal umfiel und ohne große Erklärung durch einen anderen ersetzt wurde.

Und obwohl Doctor Who wie kaum eine andere Serie für Veränderung und Flexibilität steht, schien der Wechsel auf eine Frau in der Hauptrolle lange Zeit undenkbar. Es wäre vermessen, hier sämtliche Kritik auf Sexismus zu schieben, nicht zuletzt waren und sind unter den Skeptikern auch viele Frauen. Aber für viele bedeutete der Wechsel des Geschlechts auch einen bislang unerreichten Eingriff in die Funktionsweise der Serie und ihre Bedenken ließen sich mit einem recht simplen Satz zusammenfassen: „Ich kann es mir einfach nicht vorstellen.“

Die Sache ist nur: Hätte man Menschen vor fünf Jahren nach ihrer Meinung zu einem weiblichen Master gefragt, wäre „Ich kann es mir einfach nicht vorstellen“ auch eine beliebte Antwort gewesen. Dann kam Michelle Gomez, zunächst nur als Missy, und als ihre Identität enthüllt wurde, war sie unter den Zuschauern bereits so beliebt, dass eine große Kontroverse überraschenderweise ausblieb. Niemand musste sich mehr einen weiblichen Master vorstellen – man konnte sie sehen, hören und großartig finden. Und statt „eine Frau als der Master“ sahen die Leute plötzlich „Michelle Gomez als der Master“.

Dieses Erlebnis erinnert mich an etwas, das ich verkehrt herum bei der Verkündung von Peter Capaldis Doctor hatte. Hätte mir jemand vorher gesagt, dass es wieder ein weißer Mann sein würde, wäre ich vielleicht einen Moment lang enttäuscht gewesen – womöglich sogar ein bisschen verärgert. Aber die Moderatorin kündigte nicht „a white man“ an, sondern „Peter Capaldi!“ und sobald ich Capaldi auf die Bühne treten sah, wusste ich, dass er der richtige ist.

Erwas ähnliches wird bei Jodie Whittaker passieren. Noch ist sie für viele Zuschauer eher unbekannt, aber sobald sie der Rolle ihren Stempel aufgedrückt hat, wird die Diskussion sich nicht mehr um „eine Frau als Doctor Who“ drehen, sondern als „Jodie Whittaker als Doctor Who“. Sie wird die Kontroverse, die ohnehin vergleichsweise klein ausgefallen ist, überstehen. Und auch wenn sie es vor allem zu Beginn wohl schwerer hat als irgendein Doctor-Darsteller seit Nummer 2, Patrick Troughton, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie als fähige, vielseitige und emotionale Schauspielerin die Rolle zu ihrer eigenen gemacht hat.

Der Doctor ist nicht wie James Bond. Keine seiner Eigenschaften haben irgendetwas mit Männlichkeit zu tun. Der Doctor ist eine unglaublich wandelbare und vielseitige Figur und dass sie von einer Frau gespielt wird, ist letztlich nur ein logischer Schritt vorwärts. Und in fünfzehn Jahren, wenn wir vielleicht den dritten weiblichen oder auch den vierzehnten männlichen Doctor sehen dürfen, wird die Tatsache, dass es sich bei ihr um die erste Frau in der Rolle gehandelt hat, nicht mehr als ein interessanter Fakt für nebenbei sein. Dann geht es nur noch darum: War sie gut oder nicht? Und nach allem zu schließen, was wir bis jetzt wissen, wird die Antwort ein klares Ja sein.

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