Kritik: Doctor Who – Empress of Mars

Series 10, Episode 9
mit Peter Capaldi, Pearl Mackie und Matt Lucas
Drehbuch: Mark Gatiss
Regie: Wayne Yip
45 Min. / Erstausstrahlung 10.6.2017

B+

Mit Spoilern.

Bei der berechtigten Aufmerksamkeit rund um das Ausscheiden von Steven Moffat und Peter Capaldi aus ihren respektiven Doctor Who-Posten vergisst man leicht einmal, dass mit dem Umsprung auf die Chris Chibnall-Ära auch noch einige andere Personen ihre Siebensachen packen werden. Darunter sind auch viele, wenn nicht vielleicht sogar alle von Moffats vertrauten Autorenkollegen – und damit auch dessen vertrauter Autorenkollege Nummer 1 Mark Gatiss. Für den Sherlock-Mitschöpfer ist Empress of Mars bereits die neunte Folge, damit ist er der drittbeschäftigste Doctor Who-Autor der letzten elf Jahre, nach den Showrunnern Moffat und Davies.

Es wäre möglich, Gatiss das Attribut „unbeliebt“ oder wenigstens „kontrovers“ unterzuschieben. Die Mehrheit seiner Folgen dürfte man in den meisten Doctor Who-Folgenranking zumindest eher in der unteren Hälfte antreffen. Aber nur auf die Rankings zu schauen, ist nicht ganz fair. Auch Empress of Mars ist kein Blink oder Mummy on the Orient Express. Es ist keine Folge, die für Preise nominiert und in Jahrzehnten von Science-Fiction-Fans ausgiebig auseinander genommen werden wird. Aber es ist eine verdammt solide Dreiviertelstunde Unterhaltung – und noch dazu die Zementierung des Gatissschen Gesamtwerks, das dem von Moffat und Davies in einem wichtigen Punkt etwas voraus hat: Eine durchgängige Ästhetik.

Gatiss‘ Geschichten ziehen ihre Inspiration vor allem aus den Geschichten, die er liebt: Gothic Horror und Gothic Romance, britische Gruselgeschichten aus dem 18. und 19. Jahrhundert, Poe, Conan Doyle und Lovecraft. Und er kombiniert diese Inspirationen mit einer sehr modernen und fast schon hipstermäßig angesagten Retro-Ästhetik. Es ist kein Zufall, dass fast alle seiner Episoden in der Vergangenheit spielen. Dort ist Gatiss zuhause, er ist ein klassischer History-Nerd und Bücherwurm, dem der Kindheitstraum erfüllt wurde, all diese spannenden Elemente zu nehmen und zu einem neuen Etwas zusammenzubauen. Selbst Sleep No More, sein einziges Zukunfts-Setting, ist tief in Nostalgie und vergangene Elemente getaucht, nicht zuletzt durch den Song Mr Sandman von den Chordettes.

Empress of Mars zeigt Gatiss wieder einmal von seiner besten Seite. Zwar funktioniert der Stil nicht ganz so gut wie in seinem Meisterwerk The Crimson Horror, aber wie schon das Bild von viktorianischen Soldaten in einem marsianischen Kellergewölbe neben einer gigantischen Laserwaffe deutlich macht, traut er sich wieder einmal, ganz einfach Spaß zu haben. Doch glücklicherweise heißt Spaß nicht einfach, sich über die Absurdität der Szene lustig zu machen. Sicher, das Skript ist sich der Ungewöhnlichkeit des Ganzen bewusst, nimmt sich aber dennoch so ernst, dass ein spannendes und vor allem lebendiges Ergebnis dabei herauskommt.

All die Elemente und Charaktere, die sich hier treffen und erst einmal scheinbar nichts miteinander zu tun haben, sind nicht einfach so ineinandergeklatscht worden, sie fügen sich zu einer logischen und kohärenten Story zusammen, welche alle drei Parteien – Ice Warriors, Erdlinge und Doctor plus Companion – respektiert. Das Ergebnis mag eine Folge sein, die sehr stark an klassische Doctor Who-Folgen unter Philip Hinchcliffe erinnert und eher alte Motive neu aufwärmt und kombiniert, als gänzlich neues Terrain zu erkunden, aber sie bleibt dabei ihren Akteuren treu und lässt den Zuschauer durch sie hindurch die Geschichte erleben und verstehen.

Ich bin immer noch nicht über letzte Woche hinüber, genauer gesagt über die Szene, der ich immerhin mehr als die Hälfte meines Reviews zu The Lie of the Land widmete und die ich nun, mit acht Tagen Abstand, für die schlechteste Szene der gesamten modernen Who-Ära halte – der grausame Plan des Doctors, seine angeblich gute Freundin dazu zu bringen, einen Mord zu begehen und sie anschließend auch noch mit einem gespielten Tod zu quälen. Es war eine der grausamsten Fehleinschätzungen des Doctors und Bills, die man sich nur vorstellen kann, und so gesehen ist Empress of Mars genau die richtige Medizin dafür. Keine Blockbuster-Folge mit großer Erdinvasion und trailertauglichen Momenten. Aber dafür echtes Herz und gute alte Who-Unterhaltung. Bei Onkel Mark ist man eben immer noch in sicheren Händen. Noch ein Grund, zu Capaldis Abschied etwas wehmütig zu werden.

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