Kritik: Doctor Who – Smile

Series 10, Episode 2
mit Peter Capaldi, Pearl Mackie und Matt Lucas
Drehbuch: Frank Cottrell Boyce
Regie: Lawrence Gough
45 Min. / Erstausstrahlung 22.04.2017

C+

Mit kleinen Spoilern!

Die zweite Folge ist immer die Wichtigste. Natürlich gibt es nichts Magischeres als die Premiere einer neuen Companion. Die Entdeckung der TARDIS. Das erste Gespräch mit dem Doctor. Das „Bigger on the Inside“. Aber es ist die darauf folgende Geschichte, die uns wirklich verrät, was sie für eine Begleiterin sein wird. Es ist deshalb nur passend, dass Smile eine halbe Stunde lang ausschließlich den Doctor und Bill zeigt – keine Nebencharaktere, nur fiese Roboter und eine sonderbare Welt, die es zu erkunden gilt.

Ich muss zugeben: Es war mir schwer gefallen, mir jemanden vorzustellen, der so gut mit Capaldis Doctor harmonieren könnte wie Jenna Colemans Clara. Schließlich wirkte auch sie selbst im Vergleich mit Amy und Rory manchmal wie ein etwas halbgarer Ersatz an der Seite von Matt Smith. Aber Pearl Mackie als Bill führt ihren grandiosen Einstand letzte Woche mühelos fort. Sie harmoniert mit Capaldi, als wären die beiden schon jahrelang ein Team und es ist großartig, dabei zuzuschauen, wie sie nach und nach hinter all die Dinge kommt, die für uns Zuschauer schon selbstverständlich geworden sind.

Bills Erkenntnis, dass der Doctor in einer Gefahrensituation nicht einfach die „Polizei“ oder den Notruf holt, weil er selbst der Notruf-Service ist, ist der wichtigste Moment der Folge, denn hier trifft sie ihre zentrale Entscheidung. Nachdem sie und der Doctor der Stadt entkommen sind, erklärt er ihr, er müsse wieder hinein und liefert als Erklärung: „This thing is a death trap!“ Wir wissen natürlich, dass der Doctor sich jede Entschuldigung gefallen lassen würde, um sehenden Auges in den sicheren Tod zu laufen, doch für Bill ist das noch neu. Und doch kehrt sie ohne zu zögern an die Seite des Doctors zurück, um ihm zu helfen. Sie entwickelt sogar eine kleine Theorie dafür, warum der Doctor sich nach zweitausend Jahren Reisen durch Raum und Zeit immer noch um seinen nicht funktionierenden Chameleon Circuit gekümmert hat: Weil er die Aufschrift „Advice and Assistance“ irgendwie mag.

Dass das Wechselspiel von Doctor und Companion so großartig funktioniert, ist keine Überraschung. Nicht nur haben wir hier zwei fabelhafte Schauspieler, sondern mit Frank Cottrell Boyce auch einen sehr talentierten Autor am Werk, der schon mit In the Forest of the Night und diversen Filmskripten sein Gespür für Charaktere und Stimmen unter Beweis gestellt hat. Doch wie schon in seiner letzten Folge scheint Boyce etwas von dem zweiten Teil seiner Aufgabe überwältigt: Dem, eine Doctor Who-Folge zu schreiben.

Seien wir ehrlich: Das, was wir heute als „klassisches Doctor Who“ bezeichnen, also Geschichten aus den 60er und 70er Jahren, war nie besonders auf Charakterentwicklung bedacht. Wenn es um interessante Motivationen oder Hintergrundgeschichten ging, waren die Autoren in der Regel nur am Doctor selbst und an den Gegenspielern interessiert. Die Aufgabe, die Companions mit Leben zu versorgen, fiel in der Regel den entsprechenden Schauspielern zu (was Frauen wie Elizabeth Sladen und Lalla Ward natürlich ganz zu ihrem Vorteil nutzten).

Und doch: Wenn es gut war, dann war es brillant. Ein Zusammenspiel aus spannenden Locations, unheimlichen Monstern und einer Spur morbiden Humors konnte in den richtigen Händen schon immer auch mit einem geringem Budget eine gewaltige Wirkung erzielen. Frank Cottrell Boyce ist nicht auf den Kopf gefallen, er weiß das. Doch er scheint all die klassischen Elemente einer Doctor Who-Folge nur nachzubilden und nicht selbst zu verkaufen. Wir haben den interessanten Schauplatz, der aber auf Dauer etwas langweilt. Wir haben die ungewöhnlichen Monster, die aber nie wirklich bedrohlich wirken. Wir haben ungewöhnliche Ideen und die ein oder andere Wendung in der Handlung, aber nichts davon reißt wirklich mit.

Dass Smile letztendlich doch eine einigermaßen unterhaltsame Geschichte ist, hat wenig damit zu tun, dass es sich um eine Doctor Who-Folge handelt. Sie funktioniert als ruhiges Charakterstück und, wenn man sich ganz doll anstrengt, vielleicht auch als Metapher für die moderne Verwendung von sozialen Medien. Doch die Satire beißt nicht genug und die Bösewichte tun es auch nicht. Die Auflösung wirkt flach und stückhaft. Alles ist mehr gut gemeint als wirklich gut. Während In the Forest of the Night sich noch zumindest dadurch profilieren konnte, ganz und gar anders und frisch zu sein, gelingt es Smile nicht, neue Akzente zu setzen. In einer charakterlosen Ära wie unter dem ersten Doctor William Hartnell wäre eine Folge wie diese wohl durchgefallen. Gut, dass es den Doctor und Bill gibt. Und natürlich ihre famosen Darsteller.

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