Kritik: Class – Brave-ish Heart

Staffel 1, Folge 5
mit Greg Austin, Fady Elsayed, Sophie Hopkins, Vivian Oparah und Katherine Kelly
Drehbuch: Patrick Ness
Regie: Philippa Langdale
45 Min. / Erstausstrahlung 12.11.2016

C+

Mehrere Wochen lang hat Class mich fast nur positiv überrascht. Jede Folge übertraf die vorherige ein kleines bisschen und dieser Logik folgend hätte Brave-ish Heart eigentlich ein absolutes Meisterwerk werden müssen. Doch die Episode scheitert, weil sie sich zu viel vornimmt und das nicht einmal müsste. Statt ein weiteres Puzzleteil, ein interessantes Abenteuer zu sein, will sie gerne als zwischenzeitliches Staffelfinale fungieren – und übernimmt sich dabei völlig. Weder die Action noch die Charaktere funktionieren und fügen sich zur bislang schwächsten Folge der Staffel zusammen.

Das erste, was nicht funktioniert, ist der Plot: Die ganze Hintergrundgeschichte um April und den Shadow-Kin (oder das Shadow-Kin vielleicht?) war bislang eher einfach und vage gehalten. Daran ist auch nichts auszusetzen, schließlich ist auch in Doctor Who die bewusste Zurückhaltung bei der Herausgabe genauerer Informationen darüber, was zur Hölle hier eigentlich passiert, immer wieder ein willkommenes Mittel, um neugierige Fragen darüber zu vermeiden, warum es eigentlich passiert. Doch am Ende dieser 45 Minuten, die eigentlich so etwas wie ein zwischenzeitliches Fazit zu diesem Handlungsstrang ziehen sollten, hat man so viele Fragen, das es fast schon Kopfschmerzen bereitet. Und das nicht weil zu die Handlung zu verkopft gewesen wäre, sondern weil es schlicht und einfach hart ist, der Abfolge von Ereignissen auf eine nachvollziehbare Weise zu folgen.

Der Staffelfinal-Charakter der Folge ist ohnehin sehr merkwürdig. Dies hätte ohne Weiteres die letzte Folge der Staffel sein können. Alle Probleme scheinen am Ende aus dem Weg geräumt, alle Wogen zumindest vorerst geglättet. Nur ein paar vage Prophezeiungen und Sub-Plots bereiten noch Sorge. Wieso? Dies sollte eigentlich der Zeitpunkt sein, an dem sich alles auf den Kopf stellt, an dem man niemanden mehr trauen kann und fingernagelkauend auf die nächste Folge wartet…

Stattdessen liefert Brave-ish Heart eine Menge Berechenbares, eine Menge Unverständliches und eine Menge Gleichgültiges. Die Folge ist keine Katastrophe – dazu sind einzelne Szenen zu gut gemacht und man hat diese Charaktere mittlerweile auch einfach lieb gewonnen. Aber sie fühlt sich dennoch wie eine Enttäuschung an. Die Romanzen zwischen Ram und April sowie Charlie und Matheusz wirken auf einmal unecht und zweckmäßig. Die Balance zwischen Fantasy-Abenteuer und Teenie-Drama funktioniert nicht einmal halb so gut wie in den Folgen davor. Und das Finale schockiert nicht, sondern lässt einen nur ein wenig mit den Schultern zucken.

Das Einzige, was überzeugt, ist – und das ist mittlerweile wirklich keine Überraschung mehr – Katherine Kellys Miss Quill, die in ihrer kleinen Nebenhandlung genauso brillant und faszinierend ist wie eh und je. Und der Vorschau auf nächste Woche nach zu schließen, wird sie bald endlich mehr zu tun bekommen. Auch die Wegwerf-Monster, mit denen sie es zu tun hat, die kleinen fleischfressendes Blüten, haben es in sich und bestimmen die besten Momente der Folge mit einigen überraschend brutalen und unwirklichen Bildern. Leider liegt der Fokus der Geschichte nicht auf ihnen, sondern auf den deutlich weniger spannenden Shadow-Kin und ihrer ollen Vulkanwelt.

Es tut weh, zum ersten Mal einen Dämpfer versetzt zu bekommen, nachdem sich Class bisher immer von Folge zu Folge steigerte. Aber das muss nicht das Ende aller Tage sein. Zu einem Fußballteam würde man sagen: Das war ein Rückschlag, jetzt sammelt euch wieder und macht es nächste Woche richtig. Zumindest der Trailer sieht fantastisch aus. Und wer weiß, vielleicht wird die Serie ja gerade erst richtig toll, weil wir uns in Brave-ish Heart von einem mittelmäßigen Handlungsstrang verabschiedet haben. Dann wäre das Fast-Staffelfinale ja doch noch für etwas gut.

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