Kritik: Class – Nightvisiting

Staffel 1, Folge 3
mit Greg Austin, Fady Elsayed, Sophie Hopkins, Vivian Oparah und Katherine Kelly
Drehbuch: Patrick Ness
Regie: Ed Bazalgette
45 Min. / Erstausstrahlung 29.10.2016

B+

Die Kernaussage in meinem Review der ersten beiden Class-Folgen war: Das hier könnte eine tolle Serie werden, solange sie ihr eigenes Ding durchzieht und man nicht zu sehr an Doctor Who erinnert wird. Die dritte Episode, Nightvisiting, scheint meine Vermutung zu bestätigen. Sie ist ohne Zweifel das bisherige Highlight der Staffel – ein intelligentes, unheimliches und originelles Abenteuer mit einer tollen Atmosphäre und einem klaren Fokus auf den Gefühlen und Ängsten der fünf Hauptfiguren. Es ist auch die erste Folge, die vollkommen ohne Referenzen zum Doctor Who-Universum auskommt… selbst die Coal Hill School wird nicht aufgesucht.

Patrick Ness, der Autor der Serie, hat in seinen Abenteuerromanen immer schon bewiesen, dass es weniger die glitzernden Effekte und spannenden Situationen sind, die ihn interessieren, sondern die Frage, was in den Köpfen seiner Figuren vorgeht. Das ist in Nightvisiting offenkundig, einer Folge, die sich auf bemerkenswert ehrliche und erwachsene Weise mit Trauer, Wut und Teenage Angst auseinandersetzt – was aber nicht heißt, dass die Prämisse nicht Anlass für spannende Wendungen und ein ekliges Monster bietet.

Vor allem der Charakter von Tanya, dem jüngsten Mitglied der Gruppe, wird diese Woche unter die Lupe genommen. Vivian Oparah ist – wie eigentlich alle Schauspieler – etwas zu alt für ihre Rolle, die eigentlich 14 sein soll, doch ihre fragile und menschliche Darstellung ist so gut, dass man sich darüber keine Gedanken zu machen braucht. Ihre Reaktion auf die Wahl, vor die sie gestellt wird, ist wunderbar realistisch und einfühlsam, und macht eine Handlung, die in anderen Händen kitschig oder berechenbar hätte werden können, zu einem packenden Drama.

Aber auch die anderen Mitglieder der Class-Gang kommen nicht zu kurz. Charlie darf seine Romanze weiterführen (es wird uns allen sehr weh tun, wenn sein Liebhaber zwangsläufig stirbt), April und Ram zeigen sich einander offener als je zuvor und bereiten damit wohl auch Plotpunkte für noch kommende Folgen vor. Und Miss Quill ist nach wie vor ungeschlagen das Beste an Class. Ihr kühles, zynisches Gebaren zeigt noch keine offenen Risse, und dennoch ist klar, dass unter der unterhaltsamen Fassade ein anderer Teil ihrer Persönlichkeit brodelt, der es nicht erwarten kann, nach außen zu gelangen. Und wenn es soweit ist, sollte besser keine Schusswaffe in der Nähe sein.

Auch das Monster der Woche ist ein voller Erfolg. Hier lassen sich noch am Ehesten Vergleiche zu Doctor Who selbst ziehen. Die außerirdischen Schlingpflanzen-Erscheinungen, die London in ihrem Bann halten, werden mit einem Mix aus praktischen und computergenerierten Effekten zum Leben erweckt, die stark an die Optik neuerer Who-Folgen erinnert. Auch das Konzept des Gegenspielers – ein Monster, das die Ängste und Träume der Protagonisten physische Wirklichkeit werden lässt, hat seine Wurzeln in vielen schon bekannten Episoden, und erinnert etwa an die Empty Children oder die Cyberman-Geister aus Army of Ghosts.

Noch fünf Folgen liegen vor uns, und meine Begeisterung für Class ist nun so groß wie seit vor Beginn der Staffel nicht mehr. Die holprigen Anfänge in Episode 1 scheinen jetzt schon merkwürdig lange her zu sein und es bleibt abzuwarten, welche Monster und emotionalen Sauereien uns Autor Patrick Ness ab Samstag weiter auftischen wird. Ich hätte nichts ja gegen noch ein paar schleimige Schlingpflanzen.

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