Kritik: Doctor Who – The Daleks

Season 1, Folge 2
mit William Hartnell, William Russell, Jacqueline Hill und Carol Ann Ford
Drehbuch: Terry Nation
Regie: Christopher Barry und Richard Martin
7 x 25 Min. / Erstausstrahlung 21.12.1963 – 1.2.1964

C

Never meet your heroes! Dieser bekannte Satz, der einen davor warnen soll, von Idolen enttäuscht zu sein, die den eigenen Erwartungen nicht gerecht werden, trifft ab und zu auch einmal auf eine Doctor Who-Story zu. Die siebenteilige Storyline The Daleks, die über den Jahreswechsel 63/64 als zweite Doctor Who-Folge überhaupt ausgestrahlt wurde, war der Auftakt für eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Ohne sie wäre Doctor Who höchstwahrscheinlich nicht zu dem Phänomen geworden, zu dem es sich schließlich entwickelte.

Doch aus heutiger Sicht fällt es leider etwas schwer, all das nachvollziehen. Es gibt zwar Folgen aus den 60er Jahren, die außerordentlich gut gealtert sind. Tomb of the Cybermen, The Power of the Daleks, The Edge of Destruction oder die erste Episode von An Unearthly Child sind auch heute noch spannend und man sieht ihnen ihre Betagtheit nur in erster Linie optisch an. Aber dann gibt es auch Geschichten, bei denen es schwerfällt, sich nicht wahnsinnig zu langweilen. Und leider gehört The Daleks, ein so essentieller Moment in der Geschichte von Doctor Who dazu.

Das soll aber natürlich nicht heißen, dass ich den Siebenteiler mit „Never watch The Daleks!“ beschreiben will. Die ersten zwei Episoden und das allmähliche Enthüllen der Daleks als Monster der Woche ist trotz spartanischster Sets gut gelungen. Auch der Sinn für Abenteuer und Entdeckergeist, der einmal so wichtig für die Serie werden würde, scheint hier geboren worden zu sein. Es ist das erste Mal, dass die TARDIS-Crew einen anderen Planeten betritt, ganz auf sich allein gestellt. Und einige Shots sind noch heute ikonisch, so beispielsweise das erste Auftreten des berühmten Dalek-Pümpels:

Die Probleme liegen anderswo. In erster Linie ist die Geschichte selbst für damalige Verhältnisse einfach schlicht und einfach viel zu lang. Sie zieht sich wie universen-umspannender Kaugummi und mit jeder neuen Episode scheint weniger zu passieren. Und dann wäre da der Doctor selbst, mit dem ich mich schlicht und einfach immer noch nicht anfreunden kann. William Hartnells Doctor ist hier ein skrupelloser, lügnerischer und allgemein verruchter Manipulator, dem zurecht keiner der anderen Charaktere vertraut. Zwar ist es interessant, im Verlauf der nächsten Staffeln seine allmähliche Entwicklung zu einer heroischen Figur mitzuerleben, aber es fällt einfach schwer, mit einer Figur mitzufiebern, die für eigene Zwecke Kriege anzettelt.

Besser funktionieren die Companions – seine Enkelin Susan, sowie die Lehrer Ian und Barbara. Besonders Ian lässt die Geschichte gut dastehen, da er sich im Gegensatz zum Doctor mühelos als Heldencharakter etablieren kann. Und zwischen ihm und Barbara gibt es einige schöne Momente, die die schieren Ausmaße ihres Abenteuers auf nette Weise verdeutlichen. Es passiert schließlich nicht jeden Tag, dass man von einem wahnsinnigen alten Zeitreisenden entführt wird.

Aber die Stars stehen natürlich im Titel: Die Daleks strahlen auch in ihrem ersten Auftritt eine sagenhafte Faszination aus, so ungruselig die verzerrten Stimmen für unsere heutigen Verhältnisse auch sein mögen. Sie sind Nazi-Roboter, Panzer mit Wutproblem, beispiellos böse und gleichzeitig werden sie bereits hier als Opfer dargestellt – als Überbleibsel eines nuklearen Krieges, der ihnen keine andere Wahl ließ, als sich in sichere Gehäuse zurückzuziehen. Die Daleks sind bereits von ihrer ersten Minute im Bild an nichts als großartig.

Einer ihrer genialsten Eigenschaften ist, dass die Daleks einfach von einem Menschen in einem Monsterkostüm gespielt werden können, aber ohne dass man diesen als Menschen erkennt. Gerade in einer Serie, in der es sonst von offensichtlich verkleideten menschlichen Monstern nur so wimmelt, stellten sie eine faszinierende Abwechslung dar. Die unheimlich gleitende Art, mit der sie sich bewegten, stellte die Zuschauer damals vor ein Rätsel und die Produzenten wurden mit Fragen überhäuft, wie sich die Daleks am Set fortbewegten. Niemand kam auf die einfache Antwort, dass einfach jemand drinsitzt.

Diese Behind the Scenes-Geschichten sind spannend und eigentlich sogar spannender als die Folge selbst. Empfehlen würde ich The Daleks in erster Linie Menschen mit Classic Who-Erfahrung oder ordentlich Geduld. Einen tollen Einblick in den Ursprung der ältesten Feinde des Doctors liefert auch das Doku-Drama An Adventure in Space and Time, das allerdings deutlich prägnanter.


Fotos © BBC

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s