Als der Doctor sich selbst verklagte

Zu den vielen blödsinnigen Gerüchten, die zu jeder neuen Doctor Who-Staffel auf den Tisch geworfen werden, gehört immer wieder auch die Rückkehr des „Valeyard“. Den meisten heutigen Zuschauern sagt dieser Name wahrscheinlich erst einmal nichts, kam der Valeyard bisher doch nur ein einziges Mal vor, und zwar in Staffel 23 der klassischen Serie.

Der Reiz des Valeyards ist schnell erklärt: Er ist ein „dunkler Doctor“, eine böse gewordene Inkarnation des Time Lords, die kurz vor seiner letzten Inkarnation entstanden sein soll und in die Vergangenheit reiste, um sich dort selbst seine zukünftigen Regenerationen zu klauen. Das klingt erst einmal ziemlich spannend – und das Konzept eines bösen Doctors wurde mit Charakteren wie dem Dream Lord aus Amy’s Choice auch in den letzten Jahren immer wieder zum Thema gemacht.

Doch der Valeyard kehrt nicht zurück. Seit Jahren wird spekuliert und dennoch kommt es nie dazu – und das aus gutem Grund. Doch um zu verstehen, warum der Valeyard für immer in der Kategorie „Unnützes Doctor Who-Wissen“ verbleiben wird, müssen wir einen Blick in die Vergangenheit werfen:


Der 29. November 1986 hätte kein besonderer Tag für Doctor Who sein sollen. Eine dröge Staffel neigte sich allmählich dem Ende zu und auch wenn Colin Bakers Doctor mittlerweile etwas besser zu ertragen als noch im Jahr davor, als er sich mit einer Würgattacke auf seine Companion vorstellte, fiel es schwer, sich von ihm in seinen Bann ziehen zu lassen.

In Staffel 23, auch Trial of a Time Lord genannt, wird der Doctor vor ein gallifreyanisches Gericht gestellt, um sich für seine zahlreichen Regelbrüche zu verantworten. Sein Ankläger ist der Valeyard, ein finsterer Paragraphenreiter und Time Lord. Eigentlich scheint der Valeyard einfach ein Bösewicht wie jeder andere zu sein, bis der Master in The Ultimate Foe – Part 1 auf einmal Folgendes vom Stapel lässt:

„Es ist Böses in uns allen, Doctor, auch in dir. Der Valeyard ist eine Verschmelzung der dunklen Seiten deines Wesens, irgendwo zwischen deiner zwölften und finalen Inkarnation. Und wenn mir die Bemerkung erlaubt ist, du wirst mit dem Alter nicht besser.“

Das vielleicht Merkwürdigste an dieser Enthüllung ist die Beiläufigkeit, mit der sie vorgetragen wird. Als wäre die Tatsache, dass der Bösewicht verflucht nochmal der Doctor selbst ist, einfach eine völlig nachvollziehbare und logische Plot-Entwicklung. Niemand reagiert besonders geschockt, niemand fragt nach, was das alles bedeuten soll oder was es für den Fortlauf der Geschichte heißt. Das Konzept des Kampfes Doctor gegen Doctor wird außerhalb dieser einen Szene nie weiter erforscht.

So spannend der Valeyard in der Theorie klingt, so viel Potential er scheinbar verspricht, so ernüchternd ist sein tatsächliches Auftreten. Er soll eine düstere Verschmelzung der bösen Adern des Doctors sein, eine unheimliche Personifizierung des Bösen, das wir alle in uns tragen… Und alles was er tut ist in der Zeit zurückreisen, um sich selbst zu verklagen.

Der wesentliche Grund, warum der Valeyard sich für nicht mehr als Spekulationen und mysteriöse Namedrops wie in The Name of the Doctor eignet, ist dass er als Charakter eigentlich kaum etwas hergibt. Die Idee eines bösen Doctors wurde mit dem Dream Lord und selbst mit dem War Doctor viel besser und interessanter umgesetzt, als eine Neuinterpretation des Valeyards, mit all dem Gewicht der missglückten Staffel 23, es je zustande bringen könnte.

Die 80er waren eine Zeit der vertanen Chancen für Doctor Who und der Valeyard ist nur eine davon. Während in den 60er-Jahren ikonische Monster wie die Daleks, Ice Warriors und Cybermen eingeführt wurden und die 70er uns den Master, die Zygons, Autons, Silurians und Sontarans bescherten, haben die 80er so gut wie keine Spuren hinterlassen. Und Charaktere wie die Rani oder eben der Valeyard sind nichts, an was die BBC die jungen Fans erinnern möchte. Das kann man schade finden. Oder man kann sich Time and the Rani und The Ultimate Foe ansehen und denken, dass es wahrscheinlich besser so ist.

Interessanterweise ist mit dem Valeyard außerhalb der eigentlichen Serie etwas besser umgegangen worden. So legt das Hörspiel Trial of the Valeyard nahe, dass er das Produkt von missglückten Versuchen des letzten Doctors war, das Limit von 12 Regenerationen zu umgehen. Was wiederum heißen würde, dass Matt Smith der Schöpfer des Valeyards ist – vermutlich während seiner 900 Jahre, die er vor seiner Regeneration auf Trenzalore verbrachte. Das würde sogar halbwegs Sinn ergeben. Und was noch Schöner ist: Es würde heißen, dass er endgültig in der Vergangenheit liegt und wir uns nie wieder Gedanken um ihn machen müssen. Das heißt natürlich, bis zum nächsten Gerücht.


Foto © BBC

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