Kritik: Doctor Who – Dinosaurs on a Spaceship

Series 7, Folge 2
Deutscher Titel: Dinos im All
mit Matt Smith, Karen Gillan und Arthur Darvill
Drehbuch: Chris Chibnall
Regie: Saul Metzstein
45 Min. / Erstausstrahlung 8.9.2012

A-

Seitdem wir wissen, dass Chris Chibnall ab 2018 die Zügel der globalen Sci-Fi-Geek-Maschine Doctor Who in der Hand halten wird, erscheinen seine Episoden in einem anderen Licht. Okay, vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Aber so oder so hatte ich diese Woche Lust, den anstehenden Fahrerwechsel im Who-Cockpit zum Anlass zu nehmen, über meine Lieblingsfolge von Chibnall zu schreiben. Es ist mir nämlich ziemlich schleierhaft, warum Dinosaurs on a Spaceship nicht schon seit Langem als ein heimlicher Klassiker gefeiert wird. Die dreieinhalb Jahre alte Episode hat alles, was eine Doctor Who-Folge braucht: Humor, Spannung und eine völlig absurde Prämisse.

Schon der Titel ist ein kleines Meisterwerk. Hollywood macht Snakes on a Plane? Was für ein Kindergarten im Vergleich zu dem, was Doctor Who auf Lager hat. Ab dem Moment, ab dem Matt Smith die wunderbaren Worte fast direkt in die Kamera sagt, ein kindliches Leuchten in den Augen, ist die Folge pure Magie. Absurde, alberne und trotzdem irgendwie glaubwürdige Magie.

Dass das überhaupt funktioniert, ist zu großen Teilen Matt Smith zuzuschreiben. Er ist der einzige Doctor, der gleichzeitig zwölf und zwölfhundert Jahre alt wirkt und holt in dieser Folge alles aus dieser Tatsache heraus. Er sucht sich seine Gang zusammen, meckert über Rorys versehentlich mitgeschleppten Vater und reagiert mit Entzücken darauf, dass das Raumschiff, auf dem sie gelandet sind, Dinosaurier beherbergt. Seine Energie ist greifbar, sie springt geradezu aus dem Bildschirm und hält jede Szene zusammen.

Ein weiteres Zeichen für Matt Smiths Qualitäten als Hauptdarsteller ist seine Fähigkeit, sich in ein Ensemble einzufinden. Ohne ihnen damit ihr Talent absprechen zu wollen, hat man bei Schauspielern wie Tom Baker oder Peter Capaldi manchmal den Eindruck, sie würden am liebsten alle anderen Darsteller aus dem Bild schubsen. Matt Smith hingegen lebt von Interaktionen, er prallt von den Nebencharakteren ab, spielt mit ihnen, rennt wild herum, um sich ständig neu zu positionieren und hat bei all dem offensichtlich eine Menge Spaß.

Wirklich interessant wird die Folge aber in ihrem letzten Drittel, als sie eine unerwartete Wendung in düstere Gefilde nimmt. Der Schurke Solomon, fabelhaft dargestellt von Argus Filch- und William Hartnell-Schauspieler David Bradley, ist im Gegensatz zur Grundidee der Geschichte kein bisschen leichtsinnig und komisch. Er ist durch und durch böse, so widerwärtig wie man sich einen Gegenspieler des Doctors nur vorstellen kann, und schreckt weder vor Genozid noch Folter zurück.

Was die Entwicklung des Doctors in diesen 45 Minuten angeht, ist Dinosaurs on a Spaceship beinahe schon eine Tragödie. Es beginnt mit Arglosigkeit und Abenteuerlust, doch Solomon treibt den Doctor an seine Grenzen und wird in einem unerwartet pessimistischen Ende von dem anfangs noch so leichtfüßigen Doctor dem sicheren Tod überlassen. Es ist ein seltener Moment der Ungewissheit des elften Doctors, der uns daran erinnert, zu was er alles fähig ist, wenn man sich mit ihm anlegt.

Betrachtet man das Skript für Dinosaurs on a Spaceship als Checkliste für die benötigten Fähigkeiten eines Showrunners, dann ist eigentlich alles dabei: Humor, ein guter Umgang mit vielen Figuren, ein spannender Sci-Fi-Plot, ein furchterregender Bösewicht, unberechenbare Handlungsentwicklungen und vor allem toll entwickelte Nebencharaktere. Nicht nur der Doctor und seine Companions kommen hier gut weg, auch die Gäste Königin Nofretete, Riddell und vor allem natürlich Rorys Vater Brian hinterlassen ihre Spuren. Und wenn eines zu Doctor Who gehört, dann eine schöne Tasse Tee mit Aussicht nach einem aufwühlenden Abenteuer.


Fotos © BBC

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