Kritik: Doctor Who – Inferno

Anmerkung: Wie alle meine Kritiken, die vergangene Folgen behandeln, ist auch diese hier nicht spoilerfrei. Da es sich hier um ein Stück Doctor Who-Geschichte handelt, finde ich das auch nicht allzu schlimm. 


Season 7, Folge 4
mit Jon Pertwee und Caroline John
Drehbuch: Don Houghton
Regie: Douglas Camfield
7 x 25 Min. / Erstausstrahlung 9.5. – 20.6.1970

A-

Geschichtsstunde: Dem ursprünglichen Sendekonzept aus den frühen 60er-Jahren zufolge sollten Doctor Who-Folgen aus einer von drei Kategorien bestehen:

  1. Science-Fiction-Trips in die Zukunft
  2. Historische Trips in die Vergangenheit, ohne Aliens oder Monster
  3. Reisen in Paralleluniversen

Von diesem Rezept war jedoch schnell nicht mehr allzu viel übrig. Nach einigen Jahren wurde Kategorie 2 aufgrun geringer Popularität beim jungen Publikum langsam augeblendet, beziehungsweise durch historische Science-Fiction-Abenteuer ersetzt, wie wir sie heute noch kennen. Kategorie 3 hingegen war schon verloren gegangen, bevor die erste Folge überhaupt ausgestrahlt war. Warum genau, weiß man nicht, dafür gibt es einfach zu wenige Aufzeichnungen über die damalige Produktion.

So dauerte es sieben Jahre, bis Doctor Who sich endlich dem klassischen Science-Fiction-Motiv des Parallel-Universums annahm. Insbesondere die Idee einer Welt, in der in der Geschichte einige Dinge anders verlaufen sind, als in unsere, hatte im Jahrzehnt zuvor mit Werken von Philip K. Dick oder Fritz Leiber langsam Wellen geschlagen und nun war es endlich Zeit für den Beitrag der Autoren von Doctor Who.

Die Story von Inferno ist relativ simpel. Um eine vielversprechende neue Energiequelle zu erschließen, führt der entschlossene Wissenschaftler Stahlman unter Aufsicht von Brigadier Lethbridge-Stewart sowie des Doctors plus Companion Liz Shaw eine gigantische Bohrung in die Erdkruste durch: Das „Inferno-Projekt“. Der Doctor nutzt die entstehende Energie für Experimente mit seiner TARDIS-Konsole, die ihn unerwartet in ein Paralleluniversum katapultieren. UNIT existiert hier nicht und seine Freunde, der Brigadier und Liz Shaw, arbeiten für ein faschistisches britisches Regime. Den Doctor erkennen sie nicht.

Das Inferno-Projekt existiert auch hier und es sorgt ordentlich für Scherereien, da sich die neue Energiequelle als mächtig gefährlich entpuppt. Menschen mutieren zu fellüberwachsenen Zombies, eine Feuerbrunst droht die gesamte Erde zu verschlingen und niemand glaubt dem Doctor, dass er helfen kann. Es ist nicht gerade eine ungewohnte Situation für ihn, doch die Auflösung trifft unerwartet:

Dem Doctor gelingt es zwar, zu seiner Version der Erde zurückzukehren, doch die, zu die er gereist ist, ist verloren. Es ist einer der wenigen Cliffhanger in Doctor Who, die nie wirklich aufgelöst werden, denn allem Anschein nach müssen wir annehmen, dass die aus der Bohrung entstandene Katastrophe tatsächlich die gesamte Erdoberfläche zerstört hat. Die Lawine von Gedanken und Implikationen, die dieses Ende anstößt, muss man nicht komplett nacherzählen, um die Wucht dahinter zu verstehen. Vor allem diese Wendung macht Inferno zu einer außergewöhnlichen und eindringlichen Doctor Who-Story.

Thematisch und konzeptuell gehört Inferno zu dem besten, was die Ära des dritten Doctors zu bieten hat. Dass sich in den sieben knapp halbstündigen Teilen auch mal die ein oder andere Länge einschleicht, ist leider unvermeidlich, aber man verzeiht diesen Makel gerne. Nicht nur wegen der spannenden Story, sondern auch wegen wunderschönen Bildeindrücken wie diesem hier:


Fotos © BBC

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