Kritik: Doctor Who – The Husbands of River Song

Series 10, Episode 0
Deutscher Titel: Besuch bei River Song
mit Peter Capaldi und Alex Kingston
Drehbuch: Steven Moffat
Regie: Douglas Mackinnon
60 Min. / Erstausstrahlung 25.12.2015

B+

Der Doctor hat ein hartes Jahr hinter sich. In seiner zweiten Staffel als Peter Capaldi waren seine Abenteuer hauptsächlich von Düsternis und Drama bestimmt, sogar die letzte Weihnachtsfolge war ein klaustrophobischer Horrorfilm. Was er braucht, ist eine Auszeit. Was für den Doctor heißt: Ein kurioser Weltraum-Trip mit dem abnehmbaren Kopf eines Diktators… und mit River Song.

Für mich als Doctor Who-Fan war The Husbands of River Song die meiste Zeit eine wohltuende Erfrischung mit bunter, leichter Unterhaltung. Es ist eine Weile her, dass wir neue Planeten kennengelernt haben, hier gibt es welche. Es ist eine Weile her, dass eine Folge so leichtfüßig und albern daherkam. Und es ist eine Weile her, dass wir die Ehefrau des Doctors zum letzten Mal gesehen haben. Und noch länger, dass sie ihn nicht erkannte.

Und so kann man sich ganz entspannt zurücklehnen, ohne sich um eine komplizierte Geschichte oder Zusammenhänge mit anderen Folgen Sorgen zu machen, und einfach die Achterbahnfahrt und den unbändigen Einfallsreichtum genießen. All die neuen Aliens und ungewohnten Situationen machen einfach eine Menge Spaß und erinnern in ihrer Eigenheit, nur sehr lose von so etwas wie Plot zusammengehalten zu werden, etwas an die Skripte von Steven Moffats Vorgänger Russell T Davies. Folgen wie New Earth oder Gridlock zeigten einen ähnlichen Sinn für Freude an der schieren Entdeckunglust im Doctor Who-Universum.

Aber leider kann natürlich genau wie in diesen Folgen nicht die ganze Geschichte als albernes Abenteuer erzählt werden. Gekonnt und so abrupt, das man es kaum merkt, wechselt Steven Moffat nach etwa drei Vierteln die Platte… und die Folge nimmt eine Wendung mit außerordentlichen Konsequenzen. Doch auch als die erwachseneren Töne angeschlagen werden, verliert sie ihre weihnachtliche Stimmung nicht.

Ab-und-zu-Zuschauer von Doctor Who mussten in den letzten zehn Jahren einiges ertragen, wenn es um die Weihnachtsfolgen ging. Von Genozid (The Runaway Bride) über mehrfachen versuchten Genozid (The Christmas Invasion, Voyage of the Damned, The End of Time) bis hin zu gehirnschlürfenden Krabben (Last Christmas) war so mancher ganz und gar unbesinnlicher Handlungspunkt dabei, doch The Husbands of River Song braucht keine Schock-Momente, um Drama zu erzeugen.

Die Wendung gegen Ende ist stattdessen viel mehr eine logische Fortführung von dem, was in den letzten zwei Jahren eingeführt wurde, eine langsame, dialogfokussierte Stimmung, die sowohl den Charakteren als auch den Schauspielern zu Gute kommt. Als sie sich noch das Bild mit Matt Smith teilte, waren Rivers Szenen meist sehr hektisch und bestanden viel aus Flirts, Ohrfeigen und anderen Handgreiflichkeiten. Mit Peter Capaldi dagegen ist die Stimmung eine andere. Die Chemie zwischen ihm und Alex Kingston lässt sich kaum in Worte fassen und einmal mehr ist es schwer sich vorzustellen, dass es nicht wirklich der gleiche Mann ist, der einfach hin und wieder sein Aussehen ändert. So stimmig, so richtig fühlen sich seine Szenen mit River an.

Die gefühlvollen Momente sitzen (wie könnten sie auch nicht) und The Husbands of River Song beschert uns zudem einige wirklich fabelhafte Momente des Frohsinns (ein besonderes Highlight, als der Doctor nach etwa zwanzig Minuten seine TARDIS betritt), doch um mit den wirklich besten Christmas Specials bisher mithalten zu können, fehlt leider ein wenig die Kohärenz. So unterhaltsam die individuellen Teile auch sein mögen, sie fühlen sich oft nicht wirklich als Bestandteile eines Großen Ganzes an und so hat man bis zum Schluss keine richtige Ahnung, woraus eigentlich der Plot der Folge besteht.

Schlussendlich ist The Husbands of River Song also ein wenig mehr Sketchshow als Geschichte, doch das macht die Show an sich natürlich nicht weniger unterhaltsam. Es stellt sich nur die Frage, ob die Emotionen vielleicht noch wirkungsvoller gewesen wären, wären sie nicht erst in den letzten fünfzehn Minuten dazu gekommen, sondern bereits im Rest der Folge etwas mehr vorbereitet geworden.


Foto © BBC

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