Kritik: The War Doctor – Only the Monstrous

Doctor Who – The War Doctor: Staffel 1
mit John Hurt
Drehbuch & Regie: Nicholas Briggs
3×60 Min. / Veröffentlichung Dezember 2015

C+

Dass John Hurt zu seiner Rolle als War Doctor zurückkehren würde, war die wohl gewaltigste Nachricht in der Geschichte des Hörspiel-Produzenten Big Finish – zumindest bis ein paar Monate später Geschichten mit David Tennant angekündigt wurden. Der Deal bot den Erzählern dort eine Möglichkeit wie noch nie zuvor: Neue Folgen mit einem Doctor, über den wir immer noch kaum etwas wissen – und das mit Schauspiellegende John Hurt in der Hauptrolle.

Es hat seinen Grund, warum wir bisher so wenig Zeit mit der achteinhalbten Inkarnation des Doctors verbracht haben. Der Time War, der allumfassende Krieg zwischen Daleks und Time Lords, der die Gesamtheit von Zeit und Raum umspannt, wurde immer als so groß und mythisch beschrieben, dass man all dem unmöglich im Rahmen der TV-Serie gerecht werden könnte. Schließlich ist das Budget von Doctor Who nicht gerade blockbustergerecht.

Aber im Hörspielformat spielen solche Grenzen kaum eine Rolle. Hier können all die Kreaturen und Ausgeburten des Time War genau so eindrucksvoll und furchterregend wirken wie sie in der Fantasie der Fans immer waren, weil der visuelle Teil der Vorstellungskraft der Zuhörer vorbehalten bleibt. Dazu eine von Rätseln umhüllte und unberechenbare Version des Doctors, die sich weigert, seinen eigenen Namen zu tragen und wie keine der anderen Inkarnationen ist…

Soweit zumindest die Theorie. In der Praxis ist Only the Monstrous, das erste Kapitel in der vierteiligen War Doctor-Saga von Big Finish, eher eine Enttäuschung, in erster Linie weil all das diese Veröffentlichung besonders machen können, fast gar keine Rolle spielt. Der Charakter des War Doctors ist großartig und John Hurts Stimme zerschmilzt so angenehm wie Butter in einer heißen Pfanne, aber die Story um ihn herum wird ihm leider nicht gerecht – und mit dem Time War hat sie kaum etwas zu tun.

Die Box besteht aus drei einstündigen Teilen. Der erste, The Innocent, ist mehr Charakterstudie als Drama. Der War Doctor wird eingeführt und verbringt einen wesentlichen Teil der Story damit, andere Leute wütend anzubrüllen, weil sie ihn mit „Doctor“ anreden. Das ist durchaus unterhaltsam, auch wenn storytechnisch nicht viel passiert.

Die restlichen Teile, The Thousand Worlds und The Heart of the Battle werfen ihn dann in was man eigentlich nur als durchschnittliche Dalek-Folge bezeichnen kann. Bis auf einige wenige Momente spielt es kaum eine Rolle, dass der War Doctor sich nicht selbst Doctor nennen will, dass er sich selbst für ein Monster hält und sein Versprechen an sich selbst „never cruel, never cowardly“ gebrochen hat. Auch die Schrecken des Time War werden nur angedeutet und es braucht nicht viel Kreativität, um sich die gleichen Folgen mit dem achten Doctor vorzustellen.

Bis auf eine beeindruckende Wendung am Ende erlebt der War Doctor hier ein Abenteuer wie jeder andere Doctor auch – und dieses ist auch noch sehr durchschnittlich. Den enormen Hype hat Only the Monstrous sich jedenfalls nicht ganz verdient, aber womöglich war das hier auch nur die Vorbereitung auf den eigentlichen Hammer, der in den nächsten drei Boxen folgt. Daumen gedrückt.


Foto © BBC/Big Finish

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