Spoiler Zone: Sleep No More

Pralinen

Machen wir uns nichts vor: Sleep No More kam nicht gerade gut an. Zumindest für Doctor Who-Verhältnisse. Dem Audience Appreciation Index der BBC zufolge handelt sich um die beim Publikum unbeliebteste Doctor Who-Folge seit Love and Monsters im Jahr 2006 und sowohl Reviews als auch Fanstimmen sind, wenn auch nicht komplett vernichtend, zumindest stark geteilt. Im Kontrast zu der bisher fast durchgehend positiven Reaktion auf den Rest der neunten Staffel wird „unter dem Durchschnitt“ eben schnell zu „schlechteste Folge ever“. Aber wie kam es dazu?

Um mal ein sehr breitgetretenes Sinnbild zu verwenden, eine Staffel Doctor Who ist – anders als das Leben – wirklich wie eine Schachtel Pralinen. Die zwölf Folgen unterscheiden sich so stark voneinander, dass eigentlich niemand davon ausgehen kann, immer alles mögen zu können. Und das ist auch gut so, nichts schmerzt mehr als die Vorstellung einer Doctor Who-Staffel, in der alle Folgen das Gleiche machen. Keine andere Serie hat eine solche mögliche Auswahl an Themen, Schauplätzen und Genres, an der sie sich bedienen kann. Und irgendeine Praline ist halt Tofu. Oder irgendwie sowas.

Sleep No More ist zweifellos die Tofu-Praline von Staffel 9 – nicht nur die unbeliebteste, sondern auch die ungewöhnlichste von allen bisherigen Folgen. Im Vorhinein wurde viel über den Found Footage-Aspekt diskutiert, aber nach der Ausstrahlung ist es ein anderer Aspekt, der wirklich die Kratzbürsten der Fans zu reiben scheint: Das Ende. Kein Wunder: Das Ende von Sleep No More ist eine der, wenn nicht gar die merkwürdigste Auflösung einer Folge in der Geschichte von Doctor Who. Und zwar, weil es gar keine richtige Auflösung ist.

Was passiert genau? Allein das ist schwer zu sagen. In der letzten Minute erfahren wir von Rassmussen seinen eigentlichen Plan, wie er die Menschheit zerstören will. Dieser Plan ist kompliziert, verwirrend und sorgt für ein wahnsinnig gruseliges Schlussbild, aber ihn hier zu rekapitulieren hätte kaum einen Sinn. Denn der Doctor ist zu diesem Zeitpunkt schon weg. Ja, die letzten Worte des Doctors sind tatsächlich „It doesn’t make sense! None of this makes any sense!“ und dann verschwindet er gemeinsam mit Clara in der TARDIS.

Wir wissen, dass sich Doctor Who normalerweise schon kaum um Dinge wie physikalische Gesetze oder Continuity kümmert, aber hier scheint sich die Geschichte nicht einmal um den Zuschauer zu kümmern. Es ist eine Szene wie aus einem David Lynch-Film, von sämtlichen Standpunkten aus vollkommen unzureichend, aber das macht nichts, denn genau darum geht es. Wir kennen den Doctor als den Mann mit der Lösung, als den, der immer einen Plan in der Hinterhand hat. Hier hat er gar nichts. Er verliert. Er verlässt das Schiff, ohne die Gefahr gebannt oder überhaupt verstanden zu haben. Und damit bricht Sleep No More eine der letzten paar Regeln, die der Serie noch geblieben waren.

Doch für mich macht genau das die Folge so gruselig. Wenn der Doctor, der immer alles weiß, selbst keine Ahnung hat, entsteht automatisch eine andere Atmosphäre. Ähnlich wie über das Ende von The Girl Who Died habe ich über das von Sleep No More nun seit Tagen nachgedacht und es ist immer noch in der Lage, mich in Gänsehautstimmung zu versetzen. Eben gerade weil es so anders als das sind was wir von unserer Pralinenschachtel gewöhnt sind. Ach, und wegen dem Moment, in dem er sich das Auge reibt, holy moley.

Es ist interessant, dass in einer Staffel, die fast nur aus Doppelfolgen besteht, die einzige scheinbar eigenständige Episode ein so offenes Ende hat. Oder vielleicht doch nicht? Mark Gatiss hat in einem Interview gesagt, dass er sich gut eine Fortsetzung zu dieser Folge vorstellen könnte. Bei der gemischten Reaktion bezweifle ich, dass es dazu kommen wird, doch obwohl ich sie sehr mag, wäre es mir lieber, sie bliebe einfach so wie sie ist. Es würde eine sehr schaurige Folge weniger schaurig machen. Und dann enden womöglich noch meine Albträume…


Ausblick

Bereit für das Finale?

Face the Raven von Who-Neuling Sarah Dollard ist auf dem Papier zwar eine weitere Einzelfolge, aber nach dem, was wir bis jetzt wissen, wird darin einiges passieren, was darüber hinausgeht. Bis vor einigen Wochen wussten wir hierüber nur, dass Rigsy aus Flatline mit dabei sein würde und dass die Handlung sich um verschwindende Straßen dreht. Doch daraus ist schon lang mehr geworden: Die Trailer versprechen Urban Fantasy im Winkelgasse-Style, die Rückkehr von Maisie Williams‘ Ashildr und einen entscheidenden Moment in der Doctor-Clara-Geschichte.

Wir wissen, dass dies Claras letzte Staffel ist. Doch wir wissen nicht, welches ihre letzte Folge sein wird. Und der oben verlinkte Trailer lässt es ganz so aussehen, als wäre ihr Moment früher gekommen als gedacht. Aber ist dem wirklich so? Oder ist es ein Bluff? Oder ist es ein Doppel-Bluff? So oder so oder so, wenn wir mit einem rechnen können, dann einem ordentlichen Topf voll Feelz.


E-Space

Doctor Who Extra


Stuart Mannings Episodenposter


Musikvideo für mehr Ohrwurm


…und Spider-Man


Fotos © BBC

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