Kritik: Doctor Who – The Zygon Inversion

Series 9, Episode 8
Deutscher Titel: Die Inversion der Zygonen
mit Peter Capaldi und Jenna Coleman
Drehbuch: Peter Harness und Steven Moffat
Regie: Daniel Nettheim
45 Min. / Erstausstrahlung 7.11.2015

A

Es gibt Geschichten, die sich über einen einzigen Moment definieren. Ob es sich dabei um Bücher, Filme oder Episoden von TV-Serien handeln, spielt dabei keine Rolle, eines haben sie gemeinsam: Hinterher reden alle über das Gleiche. Über den Twist in The Sixth Sense. Über die ersten zehn Minuten von Oben. Über den Schluss von The Girl Who Died. Und The Zygon Inversion fällt in diese Kategorie wie kaum eine andere Doctor Who-Folge. Auch wenn nicht jeder Aspekt dieser 45 Minuten perfekt ist, ist es unmöglich, hier keine Bestnote zu geben. Man beginnt die Folge in einer Position und beendet sie drei Meter weiter hinten. Und man ist vielleicht sogar ein besserer Mensch geworden.

Wenn ich von einem „Moment“ schreibe, der die Geschichte ausmacht, dann sollte ich darauf hinweisen, dass dieser „Moment“ etwa zehn Minuten dauert. Er beginnt damit, dass der Doctor seinen Mund öffnet, um etwas zu sagen. Und endet, als er ihn wieder schließt. Dazwischen: Zehn Minuten, in denen man vergisst zu atmen. Zehn Minuten, in der sich Gänsehaut und Tränen ein Wettrennen liefern, wer den Körper zuerst erreicht. Zehn Minuten, die Leben verändern und alle Regeln neu schreiben können. Und das alles ohne Explosionen, ohne Verfolgungsjagden oder das Zücken von Waffen. Alles was man braucht, ist ein Mund. Und Ohren, die ihm zuhören.

In (hoffentlich nicht zu wenigen) Jahren, wenn Peter Capaldi die Titelrolle von Doctor Who verlässt um einem neuen Schauspieler Platz zu machen, wird die Zeit der Retrospektiven kommen. Und diese Szene wird in jeder vertreten sein. Jetzt schon ist onlineorts die Rede von der prägenden Szene für den zwölften Doctor. Es ist auch klar, warum. Peter Capaldi ist ein umwerfender Schauspieler, das ist nichts Neues. Aber keine Szene bis jetzt bot ihm eine solche Bühne. Um genau zu sein, nur wenigen Doctor-Darstellern wurde je eine solche Bühne geboten wie die Rede, mit der Capaldi sich hier in unsere Köpfe bohrt und metaphorische Berge versetzt.

Und deshalb ist es vielleicht auch falsch, von einem prägenden Moment für den zwölften Doctor zu sprechen. Es ist einfach ein Moment für den Doctor. Ohne Nummern, ohne Namen. In diesen zehn Minuten sehen wir, wer er ist. Und warum wir nach wie vor einen Helden wie ihn brauchen. Denn hier ist die Knobelfrage: Gibt es eine andere erfolgreiche Science Fiction- oder Fantasy-Serie zur Zeit, in der so etwas möglich wäre? In der der Protagonist sich ohne Waffen, ohne Superkräfte und ohne Kampfkünste einfach nur hinstellt und versucht, den Tod unschuldiger Menschen mit Worten zu verhindern?

Die Antwort ist Nein, zumindest kommt mir keine in den Sinn. Aber genau das ist es, was den Doctor und damit auch die Serie um ihn herum ausmacht. Als Christopher Eccleston 2005 in seiner ersten Episode Rose die Möglichkeit hat, die Nestene Conciousness mit einem einfachen Mittel auszuschalten, ist es für ihn selbstverständlich, dass er das nicht tun wird. „I’m not here to kill it“, sagt er. „I’ve got to give it a chance.“ Das, genau da, ist der Doctor. Und das ist es, was ihn im Vergleich zu anderen Helden unseres Fernsehens ausmacht. Er wird immer Worte über Waffen wählen. Er wird immer versuchen, an das Gute zu appellieren. Und er wird nie, niemals die Hoffnung aufgeben.

Es sind Momente wie diese, in denen ich mich daran erinnere, warum ich in diese Serie überhaupt so vernarrt bin. Warum jede neue Folge ein Event für mich ist, auf das ich mich Tage im Voraus freue. Warum ich überhaupt diesen komischen kleinen Blog betreibe. Solange es Momente wie diese gibt, bin ich glücklich. Und wenn die Momente zehn Minuten lang sind, umso besser.


Fotos © BBC

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