Kritik: Doctor Who – The Zygon Invasion

Series 9, Episode 7
Deutscher Titel: Die Invasion der Zygonen
mit Peter Capaldi und Jenna Coleman
Drehbuch: Peter Harness
Regie: Daniel Nettheim
45 Min. / Erstausstrahlung 31.10.2015

A-

Die Älteren werden sich noch an die Zeiten erinnern, in denen Krieg einfach war. In denen es eine gute und eine böse Seite gab, klar optisch und geographisch voneinander zu unterscheiden. Diese Zeiten sind natürlich schon lange vorbei. Krieg wird nicht mehr von Nationen geführt, sondern von Gruppen in Gruppen, von Abtrünnigen, Hetzern und Anführern und unter Anführern, unübersichtlich, konfus und tödlich. The Zygon Invasion ist im Verhältnis zu klassischen Erdinvasions-Stories das, was der Krieg gegen den Terror unser heutigen Zeit im Verhältnis zu den großen Kriegen des 20. Jahrhunderts ist.

Es scheint merkwürdig, dass das hier tatsächlich erst die dritte Folge in der Doctor Who-Geschichte mit den Zygons ist und erst die zweite, die den Namen der Rasse im Titel trägt. Sie fühlen sich jetzt schon vertraut wie die Daleks oder Cybermen an. Doch eine Dalek-Invasion ist einfach erzählt: Daleks kommen reingeflogen und erschießen jeden, der ihnen vor die Nase läuft. Eine Zygon-Invasion läuft ganz anders ab. Langsamer. Perfider. Im Untergrund.

Die Sorge, die einem beim Schauen der Folge umtreibt ist also nicht die Angst vor der Masche des typischen Monsters, das einfach jeden Moment um die nächste Ecke kommt und alles niedermetzelt, sondern das feine Unbehagen, dass irgendetwas nicht stimmt, dass irgendwer nicht ist, wer er zu sein vorgibt und das direkt vor unseren Augen schreckliche Dinge vor sich gehen, die wir trotzdem nicht bemerken. Vom Stil her erinnert The Zygon Invasion an einen Spionage-Film und somit sind die Regeln für Clara und den Doctor eindeutig: Traue niemandem.

Ein weiterer Aspekt des Spionage-Thrillers ist die Weitläufigkeit des Plots. Wie gut es tun kann, dass Doctor Who auch mal außerhalb von Wales gedreht wird, fällt einem erst wirklich auf, wenn die Kamera tatsächlich in einer vollkommen unwalisischen Landschaft steht und die Nebendarsteller mit tatsächlich echten amerikanischen Akzenten sprechen. Dieser zusätzliche Aufwand hilft enorm dabei, die Invasion auch wirklich als weltweites Ereignis zu verkaufen und lässt die Montagen aus internationalen Nachrichtensprechern, die wir bei solchen Szenen üblicherweise bekommen, ziemlich alt aussehen.

Und inmitten dieser tollen Verpackungen haben wir die politischste Doctor Who-Folge seit langem. Wahrscheinlich muss man bis zu David Tennants Planet of the Ood zurückgehen, um eine Geschichte zu finden, die sich so intensiv mit politischen Ideologien und Szenarien auseinandersetzt. Was Invasion of the Zygons den Ood allerdings voraushat, ist Aktualität. Details kann ich nicht verraten, ohne in den Sumpf der Spoiler hinabzusteigen, aber genau wie der Krieg gegen ISIS und die Taliban kein Krieg von Land gegen Land ist, ist die Invasion der Zygons kein einfaches Eintreffen von bösen Aliens, die den Planeten unterjochen wollen.

Stattdessen ist sie ein Versteckspiel und Verschwörungsthriller, in dem nichts sicher ist außer Unsicherheit. Ein ständiges Spielen mit Erwartungen und Verdachten. Ein mächtiger Cliffhanger hat vorgelegt und nun ist es an Teil 2, Inversion of the Zygons, daraus auch eine tolle fertige Geschichte zu machen. Und danach kommt endlich die erste eigenständige Folge der Staffel. Nicht dass die Storys bis jetzt nicht gut waren, aber bei all der Epik wird es irgendwann auch mal gut tun, eine konsequenzenlose Folge zu sehen, die nicht gleich all unsere Whovian-Türen aus den Angeln hebt. Obwohl es sich natürlich um ganz vorzügliches Heben handelt, keine Frage.


Foto © BBC

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