Kritik: Doctor Who – The Woman Who Lived

Series 9, Episode 6
Deutscher Titel: Die Frau, die lebte
mit Peter Capaldi und Jenna Coleman
Drehbuch: Catherine Tregenna
Regie: Ed Bazalgette
45 Min. / Erstausstrahlung 24.10.2015

C+

In meiner Spoiler Zone zu The Girl Who Died habe ich letzte Woche geschrieben, dass es in erster Linie die nächste Folge sein würde, die darüber entscheidet, wie gut die Geschichte rund um Maisie Williams spannenden Charakter wirklich ist. Die schlechte Nachricht zuerst: The Woman Who Lived erreicht leider kaum das hohe Niveau seines Vorgängers. Die gute: Dies ist wohl nur der zweite Teil einer längeren Story und könnte als charakterbildendes Bindeglied deutlich besser funktionieren als als Doctor Who-Folge.

Nachdem Doctor Who letzte Woche mit der bis jetzt besten Episode der Staffel um die Ecke gewumst kam, ist es diesmal leider die bislang schlechteste. Das ist allerdings immer noch Meckern auf ziemlich hohem Niveau. The Woman Who Lived zeichnet sich immerhin durch einige tolle Dialoge, großartige Darsteller und einen coolen Löwenmenschen aus. Doch wenn es darum geht, all diese Elemente zu einem runden Ganzen zu vereinen, wirken Drehbuch und Regie etwas überfordert. Wie schon The Girl Who Died lässt die Episode sich schwer einer einfachen Comedy- or Drama-Sparte zuordnen, doch die Übergänge zwischen den Stilen, sowie Schnitt und Inszenieren im Allgemeinen, wirken bisweilen unbeholfen. Hier versteckt sich eine tolle Geschichte, sie wird aber leider nur sehr bruchstückhaft erzählt.

Eine weitere Gemeinsamkeit mit letzter Woche ist, wie frisch und unverbraucht sich das alles anfühlt. Man müsste schon sehr tief in der Vergangenheit von Doctor Who graben, um eine Folge zu finden, die auch nur ansatzweise dem ähnelt, was uns Autorin Catherine Tregenna hier auftischt. Und das liegt im Wesentlichen daran, dass die meiste Zeit kaum etwas Handfestes passiert. Das Drehbuch dreht sich so sehr um die Gespräche zwischen den zwei Hauptfiguren, dem Doctor und Maisie Williams Figur „Me“ (Clara hat diese Woche weitgehend frei), dass es fast ein bisschen fehl am Platze wirkt, als plötzlich das Alien der Woche auftaucht. Es ist, als hätte die Folge sich für fünf Minuten daran erinnert, dass zu Doctor Who auch Monster gehören und schnell eins mit hinein gequetscht. Denn so schnell wie sie gekommen ist, ist die Bedrohung auch wieder vorbei.

Was die enorme Rede-Rate angeht, ist der nächste Verwandte von The Woman Who Lived wahrscheinlich die Christopher Eccleston-Folge Boom Town aus der ersten Staffel. Der Unterschied liegt aber in der Dynamik der Gespräche. Es ist keine neue Erkenntnis, dass verbale Auseinandersetzungen zwischen dem Doctor und seinen Feinden packend sein können. Catherine Tregenna wird die Aufgabe allerdings nicht leicht gemacht, denn Maisie Williams Figur ist eigentlich kein Feind. Und ein Freund natürlich auch nicht, aber dennoch ist ihre Lebensgeschichte eng mit der des Doctors verwoben und bietet einiges an Potential für Reflektionen und Parallelen zwischen den beiden. Aber packend ist das leider nicht so richtig. Und da – wie bereits erwähnt – auch das Monster der Woche wenig aufregend daherkommt, ist das, was am Ende bleibt, mehr Scheitern als Erfolg. Trotz aller guten Zeilen und Ideen.

Ich teile meine Gedanken zu jeder neuen Folge immer in einen spoilerfreien und einen spoilerhaltigen Artikel auf, aber ich weiß jetzt schon, dass ich bei The Woman Who Lived Schwierigkeiten mit dem Spoiler-Text haben werde. Und zwar einfach deshalb, weil es fast nichts zu spoilern gibt. Wie schon Under the Lake spielt auch The Woman Who Lived gefährlich nah mit der Doctor Who-Todsünde Nummer 1: Berechenbarkeit. Aber man kann nicht bestreiten, dass erstere immer noch erstklassig als einfaches, spannendes Abenteuer für den Doctor funktioniert. Trotz aller Ambition und dem Willen, etwas zu wagen und anders zu machen, ist das bei der neuesten Folge einfach nicht gegeben. The Woman Who Lived ist schlicht und ergreifend nicht besonders aufregend und selbst die Ideen, die wir im Doctor Who-Universum so noch nicht gesehen hatten, sind in Fantasy- und Sci-Fi-Literatur alles andere als neu und befanden sich bereits nach dem Ende von The Girl Who Died in den Köpfen vieler Leute.

Vielleicht ist es aber auch wie letzte Woche. Vielleicht entscheidet die Zukunft, ob das hier nicht doch eine super Idee war. Wer weiß, die Unberechenbarkeit über Maisie Williams hat uns vielleicht schon in ein paar Wochen wieder eingeholt.


Foto © BBC

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