Kritik: Doctor Who – Silhouette

von Justin Richards
Englische Version September 2014
Deutsche Version Oktober 2015

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Nachdem ich mich in meiner Review-Reihe jetzt mit Folgen im TV- und Audio-Format auseinandergesetzt habe, fehlt noch das dritte Medium: Print. Doctor Who-Romane gibt es schon fast so lang wie Doctor Who selbst und im Moment erscheinen jährlich drei neue Bücher mit dem jeweils aktuellen Doctor, auch wenn sie in Deutschland leider meist enorm verspätet ankommen. Einer der ersten drei Romane mit dem zwölften Doctor ist Silhouette, eine Rätselgeschichte im viktorianischen London, in der auch die Paternoster-Gang, bestehend aus Madame Vastra, Jenny Flint und Strax mit dabei ist.

Aufgebaut wie ein Detektivroman folgt das Buch dem Doctor und Clara auf ihrer Suche nach der Herkunft eines futuristischen Störsignals, das im London des späten neunzehnten Jahrhunderts ganz bestimmt nichts zu suchen hat. Dort angekommen stellen sie fest, dass seit einigen Wochen eine Mordserie die Stadt im Atem hält. Die Spur führt auf einen Jahrmarkt, auf dem allerlei Schausteller und Artisten ihre Künste darbieten, darunter auch eine mysteriöse junge Frau mit Umhang, die jedes Mal vor Ort zu sein scheint, wenn einer der Morde begangen wird.

Besonders interessant ist die Entstehungsgeschichte des Buchs. Autor Justin Richards schrieb es nämlich bereits im Jahr 2013, als Capaldi gerade erst als Doctor verkündet wurden war und niemand eine richtige Ahnung hatte, wie sich sein Doctor verhalten wurde. Und auch wenn wir davon ausgehen können, dass Richards ein paar Informationen zugesteckt wurden, einer der zentralen Schwachstellen der Geschichte ist die Charakterisierung des Doctors. Denn nun, da wir wissen, wie er sich tatsächlich verhält, wirkt sein Doctor schlicht unglaubwürdig.

Nachdem ich eine Weile darüber nachgedacht habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Silhouette deutlich besser funktioniert, wenn man sich einfach in jeder Stelle David Tennant anstelle von Peter Capaldi vorstellt. Schon ergeben Dinge wie spontane Höflichkeiten, unterdrückte Emotionen und eine ekstatische Freude an der Menschheit, wie sie hier beschrieben werden, um einiges mehr Sinn. Nur leider ist Peter Capaldis Foto aus dem Cover und über weite Strecken kann man sich nur schwer in der Geschichte verlieren, einfach weil man diesem Doctor nicht abnimmt, dass er tatsächlich Peter Capaldi ist.

Justin Richards schreibt schon seit fast 20 Jahren Doctor Who-Romane und kennt die Serie dementsprechend in- und auswendig, dennoch fühlt es sich ab und zu so an, als würde man sich in einer ganz anderen Welt befinden. In einer besonders merkwürdigen Szene betritt der Doctor das Zeit einer Puppenspielerin und zeigt sich völlig überrascht, dass es bei ihren Vorführungen nicht mit rechten Dingen zuzugehen scheint, da an den Puppen keine Fäden hängen. Dass der Mann, für den ein Dinosaurier in der Themse Mittwoch ist, sich von einer solchen Kleinigkeit verblüffen lässt, ist schon sehr merkwürdig.

Besonders gut funktioniert dagegen der Aufbau der Geschichte, die stückweise Herausgabe von Informationen und das Heranbilden eines großen Höhepunkts gegen Ende. Silhouette ist eine vollkommen passable Who-Detektive-Geschichte, die an dem Mangel an Informationen über den Hauptcharakter sowie ein wenig an fehlenden Überraschungen krankt. Dafür arbeitet Richards großartig mit dem, was er hat, nutzt London für eine tolle gruselige Atmosphäre und die Paternoster Gang für ihre altbekannten Stärken. Besonders Strax ist auch hier wunderbar und beweist, dass er nicht nur im Fernsehen die lustigste Doctor Who-Figur ist.

„Once one has eliminated the impossible, whatever remains, however improbable, must also be eliminated.“

– Strax


Silhouette erscheint am 26. Oktober auf Deutsch. 

Foto © BBC

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2 Kommentare

  1. Och noe. Wenn die Hauptfigur nicht so passt, dann wird das lesen anstrengend. Hatte beim vorangegangenen Teil ja schon oft genug das Gefühl, einen Mix aus drei unterschiedlichen Doctoren vor der Nase zu haben.

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    • Stimmt, ich hatte deine Blutzelle-Kritik schon ganz vergessen, aber darin hattest du ja sogar ein ähnliches Phänomen beschrieben. Bin ganz froh, dass es nicht nur mir so ging… :D
      Dieses Jahr werden die Romane dafür hoffentlich der Kracher!

      Gefällt 1 Person

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