Kritik: Doctor Who – The Last Adventure

Big Finish Special
mit Colin Baker
Drehbuch: Nicholas Briggs, Alan Barnes, Matt Fitton, Simon Barnard, Paul Morris
Regie: Nicholas Briggs
4×60 Min. / Veröffentlichung August 2015

C+

Als ich vor ein paar Wochen sämtliche Körperwechsel des Doctors in einem Ranking sortierte, bestand nie ein Zweifel, wer auf dem letzten Platz landen würde: Colin Baker, der von der BBC kurzfristig gefeuert worden war und sich dann weigerte, seine eigene Regeneration darzustellen. Die ausgestrahlte Szene war… nennen wir es mal „peinlich“:

Fast vierzig Jahre später hat sich die Hörspielschmiede Big Finish daran gemacht, diesen Fehler endlich zu korrigieren und dem sechsten Doctor den Abschied zu geben, den er verdient. In einem vierteiligen Audio-Abenteuer findet sich Colin Baker (dessen Stimme etwas weniger gealtert ist als sein Körper) abermals Auge in Auge mit seinem Gegenspieler, dem Valeyard, wieder, der einen Time Lord-typisch überkomplizierten Plan verfolgt, der schließlich im Tod dieser Inkarnation des Doctors enden wird.

Die vier Teile sind nur lose miteinander verknüpft und insbesondere die ersten beiden wirken eigentlich wie ganz normale Doctor Who-Geschichten, die nicht so ganz den pompösen Titel The Sixth Doctor: The Last Adventure zu verdienen scheinen. Alle vier weisen unterschiedliche Autoren und eine unterschiedliche Besetzung auf – nur Colin Baker und Michael Jayston als der Valeyard sind in mehr als einer der Folgen zu hören.

Der erste Teil, The End of the Line, ist ein ziemlich spannendes Science Fiction-Abenteuer, das fast komplett in spukhaftem Nebel spielt. Das sich langsam entfaltende Mysterium in einem verlassenen Bahnhof bleibt durchgehend aufregend und rätselhaft und auch wenn die Auflösung nicht komplett zufriedenstellt, handelt es sich hier ohne Frage um den besten der vier Teile.

In der Mitte schwächelt die Geschichte. The Red House und Stage Fright sind keine Katastrophen und zu kurz, um wirklich zu langweilen, haben aber außer größtenteils altbekannten Ideen und etwas hölzerner Erzählung nicht sonderlich viel zu bieten. Beide leiden zudem dann und wann unter überlangen Erklärungsmonologen und steifen Dialogen.

Auch das Finale, The Brink of Death, ist nicht frei von Schwächen. Bei völlig ernst gemeinten Dialog-Highlights wie „You!“ – „Yes, me!“ fällt es ab und zu schon schwer, nicht mit den Augen zu rollen. Aber, und vielleicht geht es letztendlich auch nur hierum, das Ende ist großartig. Die Geschichte ist nicht nur ein toller Abgesang auf den sechsten Doctor, sondern lässt die grauenhafte Halb-Regeneration, die 1987 ausgestrahlt wurde, gleich in einem unendlich besseren Licht erscheinen.

Für Fans von Colin Baker ist The Sixth Doctor: The Last Adventure ein Muss – keine Frage. Das etwas eigenartige Format der Veröffentlichung mit zu viel Füllmaterial und die Tatsache, dass der Valeyard als Bösewicht abermals blass bleibt, obwohl er so viel Potential hätte (das ist aber ein Thema für einen weiteren Artikel), trüben die Freude aber ein wenig. Außerdem erscheint der Charakter, der vor vierzig Jahren als Doctor Arschloch auf den Bildschirmen erschien und damit Zuschauer vergraulte, mittlerweile fast schon zu freundlich. Das Alter nagt eben doch an Time Lords.


The Last Adventure auf bigfinish.com

Foto © BBC

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