Kritik: Doctor Who – The Creature from the Pit

Season 17, Folge 3
mit Tom Baker und Lalla Ward
Drehbuch: David Fisher
Regie: Christopher Berry
4 x 25 Min. / Erstausstrahlung 27.10. – 17.11.1979

B-

Das Jahr 1979 gehört in der Geschichte von Doctor Who nicht gerade zu den glorreichsten. Die darin ausgestrahlte Staffel 17 ist in Fan-Kreisen eher unbeliebt – und das trotz zwei wichtiger Faktoren: Einmal, dass City of Death, eine der besten Doctor Who-Stories überhaupt, zu ihr gehört und dass der Name des (damals noch unbekannten) kreativen Leiters der Staffel Douglas Adams (ja, der Douglas Adams) war. Zudem stellten Tom Baker und Lalla Ward als Time Lord-Duo Doctor und Romana ein besonders ikonisches zentrales Paar dar.

Doch trotz all dieser guten Voraussetzungen litten die Geschichten in der Handschrift, die später mit Per Anhalter durch die Galaxis weltberühmt wurde, unter einem zentralen Problem: Doctor Who war ein wenig zum Selbstläufer geworden. Und Tom Baker, der mehr oder weniger gegen seinen Willen nun schon in seinem sechsten Jahr war, stand bereits kurz vor dem denkwürdigen Tag, an dem er den Produzenten vorschlug, der nächste Companion solle ein sprechender Kohlkopf sein.

City of Death beiseite, zeigt sich The Creature from the Pit durchaus etwas symptomatisch, was den damals etwas mangelnden Enthusiasmus hinter und vor den Kulissen anging. Die Story ist unglaublich simpel (Doctor und Romana landen auf Planeten, der von böser Herrscherin ausgebeutet wird und Leute in ein Loch wirft, in dem sie von einem Monster gefressen werden), verschiedene illustre Nebencharaktere wechseln sich ab und treffen zum Schluss auf die tituläre Kreatur aus der Grube, welche, und da lehne ich mich mal aus dem Fenster, vermutlich eines der schlechtesten Who-Monster-Designs aller Zeiten ist:

Das alles macht The Creature from the Pit aber keineswegs zu einer freudlosen oder langweiligen Folge. Im Gegenteil, es ist geradezu hinreißend, wie die Serie hier mit Selbst-Parodie flirtet. Völlig im Klaren darüber, wie schablonenhaft der Plot und die Figuren gezeichnet sind, verlieren sich die Dialoge immer wieder auf allerliebste Art. Als die Helden und die Schurkin Adrasta das erste Mal an der Grube stehen, trägt sich beispielsweise folgende Schönheit eines Dialogs zu:

Doctor: „What’s this?“
Adrasta: „We call it ‚the pit‘.“
Doctor: „Aah, you have such a way with words.“

Das Ungetüm in der Tiefe ist dann natürlich nicht mal im Entferntesten gruselig und hinterlässt durch seine später erklärte Hintergrundgeschichte mehr Fragen als Antworten, aber das stört weder die Macher noch den Doctor selbst, der sich in seiner neuen heiteren und weitgehend konsequenzlosen Welt pudelwohl fühlt. Nachdem er in die angeblich tödliche Grube springt und es schafft, sich an einem Vorsprung festzuhalten, zieht er erst einmal ein Buch namens Everest in einfachen Schritten aus seiner Tasche. Und einige Sekunden später, als er tibetanische Schriftzeichen entdeckt, ein Weiteres: Lerne Tibetisch. Frage: Warum würde es auf diesem Planeten überhaupt tibetanische Schriftzeichen geben? Antwort: Wen kümmert’s…

The Creature from the Pit ist beileibe kein Meisterwerk in der Who-Landschaft und teilweise so halbherzig, dass meine Wertung mir fast etwas großzügig vorkommt. Aber sie ist eben irre unterhaltsam und das liegt über weite Strecken an den Darstellern, allen voran Tom Baker, der durch seine pure Alienhaftigkeit fast jede Zeile zum Schreien komisch macht. Ein großer Spaß, der auch beim mehrmaligen Anschauen seinen Charme nicht verliert. Wer sich mit dieser Ära von Doctor Who jedoch noch nicht auskennt, sollte sich lieber erstmal an City of Death versuchen.


Fotos © BBC

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