Kritik: Doctor Who – Time Heist

Series 8, Episode 5
Deutscher Titel: Verschlusssache
mit Peter Capaldi und Jenna Coleman
Drehbuch: Stephen Thompson
Regie: Douglas Mackinnon
45 Min. / Erstausstrahlung 20.9.2014

B-

Einer der Gründe, warum Doctor Who einen der schwersten Produktionswege aller Serien hat, ist der, dass praktisch jede Woche neue Sets und neue Schauspieler herangeschafft werden müssen. Wenn zwei Folgen hintereinander sich zu ähnlich sind, ist das eigentlich ein schlechtes Zeichen: Gehen den Autoren die Ideen aus? Steven Moffat hat schon früh angefangen, sich dieses Phänomen zu Nutze zu machen. Inbesondere die Staffeln 7 und 8 folgen einer Art „Blockbuster der Woche“-Schema. Ein Western! Ein Märchen! Ein Horrorfilm! Time Heist ist eine der Folgen, die dieses Konzept wohl am Offensichtlichsten ausnutzen. Regisseur Douglas Mackinnon sah in der Vorbereitung laut eigener Aussage beinahe jeden Heist-Film, der je gedreht wurde – und das zeigt sich.

Denn Time Heist ist in erster Linie ein großer harmloser Haufen Spaß. Jeder bekommt die Möglichkeit zu Glänzen, seien es die Kameraleute und der Regisseur mit Slow Motion-Sequenzen und Kamerafahrten, Komponist Murray Gold, der mit der Ocean’s Eleven-Inspiration genauso viel Freude hat wie seine Kollegen, die Kostüm- und Monsterdesigner oder die Schauspieler, allen voran Peter Capaldi, der so viel herumschreien und -hüpfen darf, wie er nur möchte („I still don’t know why you are in charge!“ – „Basically, it’s the eyebrows“). Auch eine Menge Spaß hat Gaststar Keeley Hawes, die als Ms Delphox die Rolle der eisigen Bankdirektorin mit jeder Zeile genießt.

In einem Interview mit Steven Moffat, das just vor einigen Tagen veröffentlicht wurde, nennt der Showrunner einen wichtigen Tipp, den ihm sein Vorgänger Russell T Davies mit auf den Weg gegeben hatte: „Doctor Who muss immer neu und anders sein, und sich nicht anfühlen wie etwas, das schon seit 10 (oder 52) Jahren läuft“. Moffat will, dass der Zuschauer sich zwischendurch immer mal wieder fragt, ob „das so wirklich schon Doctor Who ist“. Dieser Gedanke ist essentiell für den Erfolg der Serie (und ich werde darauf auch in zukünftigen Reviews oft zu sprechen kommen) und Time Heist illustriert besonders gut, wieso dieses Konzept Doctor Who so einzigartig und großartig macht.

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In diesem Fall ist aber leider nicht alles perfekt. Es hat seinen Grund, warum ich bis jetzt eigentlich nur auf Oberflächlichkeiten verwiesen habe, auf den Look und den Stil der Folge anstatt auf den wirklichen Inhalt. Denn der ist leider relativ dürftig. Es handelt sich hier um die dritte Folge, die von Stephen Thompson geschrieben wurde und es ist nach The Curse of the Black Spot und Journey to the Centre of the TARDIS die dritte, die ihr Potential etwas verschenkt. Ich erinnere mich noch an die Bekanntgabe der Episodentitel für Staffel 8 und an die schiere Aufregung, die ich beim Titel Time Heist verspürte. Im Kopf tun sich sofort unzählige Türchen mit verschiedenen Szenen auf: Ständige kleine Zeitsprünge hin und her, um Wachen zu entgehen, die TARDIS, die im Landen einen Safe umschließt, ein Einbrecher, der in der Zeit zurückreist um sich selbst für Verstärkung in die Bank zu lassen…

Stattdessen handelt es sich bei dem „Time“-Aspekt im Titel lediglich um eine simple kleine Handlungswendung. Für den wesentlichen Teil ist Time Heist einfach ein stinknormaler Heist-Movie, so viel Spaß der mit diesen Charakteren und diesem Look auch machen mag. Wenn wir darüber sprechen, dass Doctor Who jede Woche neu und erwartet sein muss, geht es manchmal eben nicht nur ums Unterscheiden von alten Doctor Who-Folgen, sondern auch von allgemein alten Filme und Serien. Auch die beiden Extra-Sidekicks Psi und Saibra haben beide ihre Momente (Psis Opfer ist wohl die beste Szene der Folge), aber sie bleiben nicht als viel mehr als ein paar X-Men-Mutant-Verschnitte hängen.

Im Tresorraum gegen Ende der Folge befindet sich eine aus einer Klopapierrolle gebastelte Rakete, die die Tochter von Regisseur Douglas Mackinnon angefertigt hat. Ein bisschen so funktioniert Time Heist im Allgemeinen. Nett, aber nichts, über das sich lang nachzudenken lohnt. Dafür machen es allein das Zusammenspiel zwischen Clara und dem Doctor und die vielen versteckten Easter Eggs lohnend, sich die Folge auch mehr als einmal anzusehen. Insgesamt handelt es sich hier ziemlich eindeutig um Stephen Thompsons besten Beitrag zu Doctor Who bis jetzt. Dass er Staffel 9 aussitzt, ist für mich dennoch zu verschmerzen.


Fotos © BBC

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3 Kommentare

  1. Jupp. Wäre mehr drin gewesen, aber „Time Heist“ liegt noch in der Wohlfühlzone der Serie. Allerdings hat mich die psychische Härte des Doctors ziemlich überrascht, was ich der Folge hoch anrechnen muss.

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      • Stimmt, Into the Dalek war bspw. auch nicht ohne. Trotzdem hatte es mich hier noch ein wenig mehr getroffen, vielleicht weil mir die Figuren etwas wichtiger waren, als noch in besagter Episode. Auch das musikalische Leitmotiv des Doctors wurde hier in der Opferungsszene genutzt, was ich so bisher noch nicht wahrgenommen hatte (auch wenn es irgendwie meta ist/war).

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