Vier Vorhersagen über Staffel 9

1 Maisie Williams ist niemand

Neben Ohrfeigen und dem Bootstrap-Paradoxon gibt es auch noch eine andere Sache, die Steven Moffat in seinen Geschichten über alles zu lieben scheint: Das Rätselraten um den mysteriösen weiblichen Charakter. So wie sich Staffel 6 um die Identität von River, Staffel 7 um die von Clara und Staffel 8 um die Missy drehte, scheint es dieses Jahr der noch namenlose Charakter von Maisie Williams zu sein, die die Köpfe zerbrechen lässt. Und schon jetzt, bevor wir sie überhaupt richtig kennengelernt haben, sind die alten Namen wieder im Spiel: Susan, Jenny, die Rani, eine junge River… Selbst der Master, auch wenn der eigentlich schon vergeben ist.

Der Trailer scheint diese Theorien zu befeuern: „It’s you“, haucht der Doctor überrascht, als er Maisie erkennt. Und sie antwortet: „What took you so long, old man?“ Ich halte es aber für sehr unwahrscheinlich, dass Maisie Williams irgendeinen schon bekannten Charakter spielt. Insgesamt glaube ich, dass Staffel 9 sich hauptsächlich mit neuen Ideen und Konzepten befassen wird. Sicher, die Daleks und Missy dürfen dabei nicht fehlen, aber so kurz nach der Jubiläums-Nostalgie wird der Blick wohl eher nach vorn gehen.

Meine Theorie ist eine andere: Maisie spielt voraussichtlich in zwei Episoden mit, in The Girl Who Died und The Woman Who Lived. Ich vermute, dass die Trailer-Szene aus der zweiten Folge stammt und der Doctor sie aus der vorherigen wiedererkennt, auch wenn er sich jetzt an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit befindet (wir wissen von den Dreharbeiten, dass sie mehr als einen Charakter zu spielen scheint). Was aber natürlich trotzdem heißt, dass irgendetwas mit ihr nicht ganz koscher ist. Ist sie ein Zeitreisender? Ein Geist? Unsterblich? (Neue Theorie: Sie spielt Captain Jack!)

 

2 Doppelgänger

Oder: Maisie Williams‘ Charakter ist Teil von etwas Größerem. „See, it’s covered in lines!“, sagt der Doctor verwirrt, als er in Deep Breath zum ersten Mal sein neues Gesicht sieht. „But I didn’t do the frowning. Who frowned me this face?“ Nicht nur ist das eine wundervolle Zeile, wir wissen auch, dass sie Folgen haben wird. Steven Moffat hat bestätigt, dass wir in Staffel 9 zu dieser Idee zurückkehren werden: Warum trägt der Doctor das Gesicht eines Familienvaters aus Pompeii? Und das eines britischen Regierungsangestellten (siehe Torchwood: Children of Earth)?

Die Vermutung liegt nahe, dass Maisie Williams‘ doppelte Identität etwas damit zu tun haben könnte. Und damit nicht genug: Durch die ganze Staffel scheint sich ein außergewöhnliches Motiv zu ziehen – das von Doppelgängern und Dualitäten. Nur vier der zwölf Episoden sind nicht Teil einer Doppelfolge und zwei dieser Episoden tragen Titel, angesichts derer man ihnen ihre angebliche Eigenständigkeit nicht so richtig abkaufen will („The Girl Who Died“ und „The Woman Who Lived“).

Dazu kommen Zygons, zwei Osgoods und ein neulich aufgetauchter Setbericht vom Staffelfinale, den ich aus Spoilergründen hier nicht wiederholen will (ihr könnt ihn aber ganz unten hier nachlesen).

Was hat das also alles zu bedeuten? Die Möglichkeiten sind endlos. Zwei sich kreuzende Zeitachsen? Ein typisch überkomplizierter Plan des großen Bösewichts? Oder vielleicht nur ein thematischer Bogen wie letztes Jahr die verschiedenen Soldaten? Gut, dass ich keine wirklichen Vorhersagen mache, sondern nur um den heißen Brei herumrede. Sonst müsste ich mich glatt festlegen.

 

3 Nichts da kindgerecht

Anfang des Jahres veröffentlichte das britische Käseblatt The Mirror eine miefige Story darüber, dass Doctor Who aufgrund der negativen Reaktion auf die späten Sendezeiten und zu erwachsenen Plots unter Peter Capaldi jetzt umsatteln würde: Kindgerechter, sanfter, zu früherer Stunde. Kurz danach verriet Steven Moffat in seiner monatlichen Doctor Who Magazine-Kolumne, dass er den Doctor dieses Jahr etwas weniger düster und mit mehr Witz und Lebenslust schreiben würde.

Schon brach für viele Fans eine Welt zusammen. Ältende Doctor Who-Geeks sind allgemein gern der Meinung, dass Kinder überhaupt nichts im Publikum ihrer Serie verloren hätten und sie gefälligst für Erwachsene sein sollte. Abgesehen davon, dass das natürlich ein außerordentlicher Firlefanz ist, besteht hier nun wirklich kein Grund zur Beunruhigung. Staffel 8 war auch eigentlich nicht wirklich düsterer oder erwachsener als die vorangehenden Staffeln, abgesehen von zwei Aspekten:

Einmal die Mumie in Mummy on the Orient Express war das brutalste und gruseligste Monster-Design seit Ewigkeiten. Und dann kam natürlich noch die Szene, die der BBC so viele Beschwerden wie kaum eine andere Folge ins Haus trug und bei der ich laut lachen musste, weil ich nicht glauben konnte, dass sie tatsächlich so weit gegangen waren: Als Dr. Chang uns in Dark Water versuchte weiszumachen, die Toten würden alles, was mit ihnen geschieht, spüren. Verbunden mit einem Schrei im Hintergrund des Himmels und dem Kommentar: „Oh, looks like somebody left their body to science.“

Dass er mit diesen beiden Dingen durchkam, ist für mich ein klares Zeichen dafür, dass Steven Moffat nach dem enormen Erfolg seiner Doctor Who-Leitung an einem Punkt angekommen ist, an dem er so ziemlich alles machen darf, was er will. Und es ist klar, was er will. In einem Interview mit dem Guardian fasste er einmal sehr treffend zusammen, was Doctor Who für ihn als Kind ausmachte:

Es war furchterregend. Kein bisschen das süße und nette Ding, das später für eine Weile daraus wurde. Es wollte dich nicht besser machen oder gut für dich sein, es wollte dir nur die Seele aus dem Leib gruseln. Es war der schlimme Finger im Kinderfernsehen.

Da haben wir’s. Steven Moffat will Kinder traumatisieren und er schämt sich kein bisschen dafür. Was heißt, dass wir uns auf noch mehr auf Höllengestalten, makabren Humor und Monster unterm Bett freuen dürfen. Und wisst ihr was? Kinder stehen auf solches Zeug. Eine Generation, die mit den Harry Potter-Romanen aufgewachsen ist, in deren späteren Büchern Folter und Massenmord an der Tagesordnung waren, kann sowieso so schnell nichts mehr schocken.

 

4 Es wird fantastisch

Okay, hier schummle ich ein bisschen, aber wieso soll ich mich auch verstellen? Der Trailer für Staffel 9 ist ungefähr das Beste, das ich in meinem Leben gesehen habe, er verspricht nicht nur die besten Effekte und die atemberaubendste Optik, die Doctor Who je hatte, sondern auch düstere und aufregende neue Geschichten mit einem der tollsten TARDIS-Teams aller Zeiten, die jetzt endlich die Karten auf den Tisch gelegt haben und zusammen Raum und Zeit genießen können.

Und sie bekommen es erneut mit dem besten Master-Darsteller seit Roger Delgado zu tun. Man könnte diese drei Leute in einen Raum stellen und Scrabble spielen lassen und es wäre fantastisch. Soweit ich mich erinnern kann, bestand die letzte bessere Doctor-Companion-Schurke-Konstellation aus Tom Baker, Sarah Jane Smith und Davros. Und ein solcher Vergleich kommt nicht von nirgendwo.

Außerdem setzt sich Capaldi laut Trailer grinsend eine Sonnenbrille auf und spielt Gitarre. Allein das schlägt alles, was vorher kam.


Fotos © BBC

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